Posts by Roland

    Auf die Gefahr einer weiteren Halbwissensdiskussion hin belebe ich den Thread noch einmal.

    Ich habe mich zufällig mit einem Chemiker unterhalten, der den Ansatz des Abwaschens mit Essig befürwortet.

    Grund: Die blauen Kristalle sind anscheinend wie vermutet Kupfer(II)-Hydroxid. Kupfer(II)-Hydroxid ist leicht amphoterisch. Das bedeutet (wenn ich ihn richtig verstenden habe), dass es sowohl als Base als auch als Säure reagieren kann. Es reagiert unter Sauerstoff (und ich glaube mit einem Zwischenschritt) also auch mit dem verbleibenden Kupfer der Leiterbahnen. Der Lack ist durchlässig für Sauerstoff, deswegen zieht sich die Reaktion über die Leiterbahnen auch an Stellen, wo der Elektrolyt diese nicht berührt hat

    Essig reagiert mit Kupfer(II)-Hydroxid (fragt mich bitte nicht mehr zu was ^^) und verhindert so diese Reaktion und das weitere Fortschreiten der Zerstörung der Leiterbahnen.

    Kupfer(II)-Hydroxid ist nicht wasserlöslich und lässt sich daher nur sehr schwer abspülen - besonders dort, wo man mit der Bürste nicht drankommt.

    Essig reagiert ebenfalls mit Kupfer, jedoch nur sehr langsam, weswegen diese Reaktion bedenkenlos in Kauf genommen werden kann, solange man anschließend ordentlich mit Wasser nachspült.

    Aus Erfahrung klingt das was du beschreibst tatsächlich danach als könnte das Board die benötigten Spannungen nicht stabil erzeugen.


    Dazu können selbstverständlich andere Fehler kommen. Aber ich habe nach der Beschreibung wieder Hoffnung, dass mit einem Recap alles wieder läuft.


    Überleg dir, ob du das Risiko eingehen willst. Die Elkos für den Recap kosten vermutlich unter 10€.

    Ich kann dir die Elkos gern tauschen und das Board testen. Wenn es nicht läuft, löte ich sie wieder aus und schick sie dir zurück. Solltest du dir ein Ersatzboard organisieren, wird es wahrscheinlich auch nen Recap brauchen und so ließen sich die Elkos aus wieder nutzen.

    Für mich klingt das auch nicht gerade gut. Dass das Board aber später andere Symptome (SMD-LED) zeigt, lässt doch noch hoffen, dass es nur an den Elkos liegt.


    Hast du nen Lautsprecher angeschlossen um die POST-Codes zu hören?

    Ich würde dabei auch empfehlen, den Test nicht mehr ohne Kühlkörper auf der NB durchzuführen.

    Ich bin wegen des kurzen Starts zwiegespalten.

    Einerseits lassen sich so die Chancen ausloten, ob das Board überhaupt noch läuft, und ob es sich lohnt, zu investieren.

    Andererseits bedeutet ein fehlgeschlagener Startversuch nicht, dass das Mainboard nicht durch den Elkotausch wieder liefe.

    Drittens kann der Startversuch natürlich weitere Probleme schaffen.


    Nebenbei: Wie sehen eigentlich die Elkos im Netzteil aus und liefert es stabile Spannungen, oder sollten die evtl. direkt mitgetauscht werden?

    Auch geantwortet. :thumbup:

    Ja, das Bild habe ich gesehen. Ich bin nicht sicher, ob ich ein entsprechendes Teil von einer Spenderplatine habe. Ansonsten hätte ich dir einfach einen selbstgebogenen Drahtbügel eingelötet.

    Jetzt mal vorsichtig nachgefragt: War denn der Kühler noch drauf? Konntest du das Board schon mit den schadhaften Elkos testen?

    Wenn es nämlich schon lange ohne Kühler gelaufen ist, oder der Kühler im Betrieb abgefallen ist, kann es gut sein, dass der Chip überhitzt ist oder der Kühler etwas kurzgeschlossen hat. Dann ist das Board unter Umständen auch durch den Tausch von Elkos nicht zu retten.

    Hi! Ich kann Dir gern und auch kostenlos einen Sockel drauflöten, dann kannst du dir aus China ein neues RTC-Modul ordern und draufsetzen. (Achte dann nur darauf, dass du ein neues und kein NOS kaufst.)

    Ich würde vorschlagen, dass du mir das Mainboard zusammen mit einer passenden IC-Fassung und einem Retourenlabel zuschickst. Kannst natürlich auch gern vorbeikommen und mir zugucken. Dafür wäre es vermutlich günstig, wenn du aus dem Ruhrgebiet stammtest. ;-)

    Wenn Interesse besteht, einfach ne PN schreiben. :-)

    Grünspan ists wohl auch nicht, aber hey, es ist grün:spitze: und somit wahrscheinlich eine Kupferverbindung. Ich weiß nicht genau, was man in Akkus verwendet, aber prinzipiell spielts keine große Rolle, da sowohl Säuren als auch Basen bekanntlich ätzend sind. Du kannst auch normales Seifenwasser nehmen. Der Elektronik macht das nichts aus. Ich habe schon manche Elektronik gewaschen. Vorteil: Maiglöckchenduft:topmodel:

    Dennoch würde ich die angegriffenen Leiterbahnen wieder versiegeln.


    Also: Bei Kalisammlern ist das Elektrolyt Kaliumhydroxid. Bei NiMH ebenfalls. Bei Pb-Akkus ists jedoch tatsächlich eine Säure.

    Da kann ich dir nicht wirklich zustimmen. Es ist schon wichtig, zu wissen, ob man eine Säure oder Base vor sich hat und womit man sie neutralisieren bzw. lösen und abwaschen kann, bzw. womit man den Schaden im Zweifelsfall verschlimmern könnte.

    In diesem Fall trifft es zu und einfaches Wasser wird den Schaden nicht vergrößern.

    Der Elektrolyt in den fraglichen Tonnenakkus ist nämlich tatsächlich wässrige Kaliumhydroxidlösung. (Kalisammler ist m.W.n. ein antiquierter Sammelbegriff, der auch NiMH umfassen sollte.) Bleiakkus habe ich auf einem Mainboard noch nicht gesehen.

    Allgemein ist die Herangehensweise "Säure, Base - egal, ätzen tut beides" definitiv nicht ideal. Aber das deutet soggi ja schon an.

    Roland

    Mit der Kalilauge hast du, wie gesagt, höchstwahrscheinlich Recht. Neutralisieren muss man da whs nichts mehr, weil das ja schon alles reagiert hat. Man muss die Salze nur in Lösung bringen und entfernen. Den Akku würde ich nicht auslöten, sondern abknipsen und maximal die übriggebliebenen Stifte noch auslöten. Ich tippe hier - mit dem Wissen über den NiCD-Akku - auch von der Farbe her auf Kupfer(II)-hydroxid. Du hast noch Kupferoxid erwähnt...es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich irgendwo ein Kupferoxid bildet, da alle Kontakte versilbert oder vergoldet sind - nämlich genau aus dem Grund, dass damit jegliche Korrosion (verringerung der Leit- und Kontaktfähigkeit) unterbunden wird. Das Kupfer wird meiner Meinung nach aus der Legierung "rausgezogen"...normalerweise sind davon nur versilberte und keine vergoldeten Kontakte betroffen. Diese Erfahrung habe ich auch mit Silbermünzen gemacht, bei denen das Kupfer in der Legierung über Jahre hinweg mit Weichmachern reagiert und blaugrünen Schmodder bildet - Gold-Kupfer-Legierungen bleiben davon verschont.


    Viele Grüße

    soggi

    Ich habe schon öfters mit wahrnehmbarem Zischen frischen Elektrolyt mit Essig von Mainboards entfernt. Auch Kristalle trockenen Elektrolyts lassen sich damit auf dem Mainboard finden und beseitigen. Ganz im Ernst, keine Lüge zur Ehrenrettung oder so ein Quark!

    Man kann das alles mit Wasser abwaschen, keine Frage. Der Essig macht es mir nur ungemein leichter.

    Kupferoxid würde ich ebenfalls nicht kategorisch ausschließen, weil Kupferoberflächen an der Atmosphäre (und auch unter Lack) langsam oxidieren, bis sie mit einer deckenden Schicht überzogen sind. Ob die geringe Menge für die Reaktion auf Mainboards relevant ist, kann ich wirklich nicht einschätzen. Ich sage ja ganz offen, dass ich da als Laie wild im OT und am Rande des sachlich Relevanten herumspekuliere.^^;)

    Versilberte oder vergoldete Kontaktflächen hatte ich bislang nur an wenigen 486er Boards. Silder leitet super, schützt aber m.E. nicht wirklich vor Korrosion. Steckverbinder sind überwiegend aus blankem Edelstahl, nur selten dünn vergoldet und die Lötstellen sind mit Lötzinn bedecktes Kupfer. Oder irre ich da? (Ernste Frage!)

    Dem fortschreitenden Gammel bin ich bislang mit Essig entegegngetreten. Die Tonnenbetterie enthält nämlich m.W.n. einen alkalischen Elektrolyten (Kalilauge?), der vom Essig neutralisiert wird. Kann man sehen und hören. ;-)

    (Soggi hat Recht - eigentlich sollte eine Lauge dem Kupfer nur wenig anhaben - im Gegensatz zum Lötzinn. Deswegen glaube ich auch nicht, dass es sich um Grünspan handelt. Vielleicht reagiert da die Lauge mit dem Kupferoxid auf der Oberfläche der Leiterbahnen zu Kupferhydroxid? Das würde dann bewirken, dass sich auf der Kupferoberfläche keine dauerhafte Schutzschicht aus Kupferoxid bilden kann und unter Sauerstoffeinfluss würde sich immer mehr Korrosion bilden. Egal, Nebensache und Halbwissen aus Resten des Chemieunterrichtes.^^)


    Davor natürlich den Akku auslöten und das Board nach der Essigbehandlung gründlich mit Wasser abspülen, da Essig natürlich auch die Leiterbahnen angreift.


    Der Vorteil der Essigbehandlung ggü. nur abspülen ist, dass der Essig die Kristalle, die der Elektrolyt beim Austrockenen auf dem Board bildet (Kaliumhydroxid?) wesentlich schneller und gründlicher entfernt Wasser das tun würde und sich anschließend recht problemlos entfernen lässt, weil er selbst ja noch flüssig ist.

    Frisch ausgelaufener Elektrolyt kann auch Kurzschlüsse verursachen, die das Board komplett tot erscheinen lassen. Nach gründlicher Reinigung hatte ich schon zwei Boards, die ohne weitere Reparatur sofort wieder liefen.


    Ich würde in jedem Fall versuchen, das Board wiederzubeleben. :thumbup:

    Diese "Zickzack-Leiterbahn" bildet sowohl eine Induktivität als auch eine Verzögerung. Ich nehme an, daß man dies hier zur Entstörung so gemacht hat. [...] Sieht aus, wie ein LCL-Tiefpass.

    Ok, aber welche Funktion übernimmt das auf der Karte? Soweit ich das beurteilen kann, gibt es keine Verbindung zu anderen Teilen außer zu dem Via in der Mitte, das zu dem Elko führt.

    Ich weiß zwar nicht genau, was sie bedeuten, aber ich vermute stark Prüfpunkte für die Tests, die vor der Auslieferung der Karte stattfanden (ICT, FKT).

    Die restlichen Prüfpunkte sind deutlich kleiner, weswegen ich das nicht für den einzigen Zweck dieser Kontakte halte.

    Moin! :-) Kann mir jemand erklären, wozu diese Kontakte bzw. diese Leiterbahn an einer Voodoo 3 AGP zuständig sind/ist?

    Auf der Rückseite verläuft eine Leiterbahn im Zickzack, ein wenig an eine Antenne erinnernd (rotes Rechteck). An beiden Enden ist jeweils ein Via oder ein Kontaktloch, die auf der Oberseite mit TDR1 bzw. TDR2 markiert sind (rote Pfeile). In der Mitte der Leiterbahn ist ein Via zur Elektrode des mittleren Elkos hinten an der Karte (blauer Kreis).


    Bild der Leiterbahn:


    Bild der Vorderseite:


    Grüße

    Roland